Ihr Pflegenetzwerk in Berlin Spandau     Telefon: 030 / 339 78 78-0
Login

Pflegegrad bestimmen

Wie wird die Pflegebedürftigkeit eingeschätzt?

Der Antrag zur Feststellung eines Pflegegrades  kann formlos bei der zuständigen Pflegekasse gestellt werden. Daraufhin wird weiterhin der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) einen Termin mit dem Pflegebedürftigen vereinbaren, der dazu dient, dessen gesundheitliche Verfassung zu beurteilen.

 

Um die Pflegebedürftigkeit  einschätzen zu können, wurde ein neues Erhebungsinstrument - das Neue Begutachtungs-Assessment (NBA) - geschaffen.

Durch das so genannte NBA wird in sechs Lebensbereichen der Grand der Selbständigkeit eingeschätzt, also das Ausmaß, in dem die pflegebedürftige Person sich noch selbst ohne fremde Hilfe versorgen kann.

 

Die folgenden sechs Module fließen in die Erhebung ein:

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Mit dem NBA wird außerdem der Grundsatz gestärkt, Pflegebedürftigkeit  mit Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen möglichst zu verhindern oder zu verzögern. Das Begutachtungsverfahren ermöglicht daher den Gutachter, gezielte Präventions- und Rehabilitationsempfehlungen abzugeben. Damit werden auch wichtige Informationen für die Pflegeplanung erhoben. Damit die Gutachter wissen, wie die einzelnen Module inhaltlich ausgestaltet sind, wurde die Begutachtung-Richtlinie (BRi) entsprechend den neuen Verfahren angepasst.

 

 

Wie läuft das Einstufungsverfahren konkret ab?

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK), andere unabhängige Gutachter oder – bei knappschaftlich Versicherten – der Sozialmedizinische Dienst (SMD) erstellen ein Gutachten, das den Grad der Selbständigkeit in pflegerelevanten Lebensbereichen erfasst und beschreibt. Das geschieht zumeist bei einem Hausbesuch durch einen Gutachter. Hierbei werden die Fähigkeiten der Menschen in den oben genannten Lebensbereichen begutachtet, wobei Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kinder gemacht werden.

 

Gut zu wissen:

Alle Betroffenen, die bis zum 31.12.2016 eine Pflegestufe hatten, erhalten Bestandsschutz bis zum 31.12.2018 und wurden automatisch in den nächst höheren Pflegegrad überführt.
Betroffene, die eine eingeschränkte Alltagskompetenz hatten, wurden in den übernächsten Pflegegrad eingruppiert.

In diesem Fall kommt der MDK erst wieder ab dem jahr 2019, es sei denn der Versicherte stellt vorher einen Höherstufungsantrag.

 

Kann man weder Beine noch Arme bewegen, wird man automatisch in den Pflegegrad  5 eingestuft.

 

Interessanterweise wurden bei der Begutachtung im 5. Modul auch Maßnahmen der Behandlungspflege relevant und wirken sich nunmehr auf den Pflegegrad aus.

 

Erläuterung zu den Modulen

1. Mobilität

Hierunter fallen:

  • Positionswechsel im Bett
  • Halten einer stabilen Sitzposition
  • Umsetzen
  • Fortbewegung innerhalb des Wohnbereichs
  • Treppensteigen

Die Einschätzung erfolgt auf Grundlage der Beurteilung der Selbständigkeit. Es wird differenziert zwischen:

0 = Selbständig

1 = Überwiegend selbständig

2 = Überwiegend unselbständig

3 = Unselbständig

 

Die Einschätzung richtet sich ausschließlich danach, ob die Person in der Lage ist, ohne personelle Unterstützung eine Körperhaltung einzunehmen / zu wechseln und sich fortzubewegen. Zu beurteilen sind hier lediglich Aspekte wie Körperkraft, Balance, Bewegungskoordination etc. und nicht die zielgerichtete Fortbewegung. Hier werden nicht die Folgen kognitiver Beeinträchtigungen auf Planung, Steuerung und Durchführung motorischer Handlungen abgebildet.

 

Die Begutachtungs-Richtlinie beinhaltet eine Ausfüllanleitung für den Prüfer, die jedes einzelne Kriterium im Hinblick auf die Punkte „Selbständig“, „Überwiegend selbständig“, „Überwiegend unselbständig“ und „Unselbständig“ mit Leben füllt. Dadurch wird der Spielraum der Gutachter entsprechend eingeschränkt.

 

2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Hierunter fallen:

  • Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld
  • Örtliche Orientierung
  • Zeitliche Orientierung
  • Erinnern an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen
  • Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen
  • Treffen von Entscheidungen im Alltagsleben
  • Verstehen von Sachverhalten und Informationen
  • Erkennen von Risiken und Gefahren
  • Mitteilen von elementaren Bedürfnissen
  • Verstehen von Aufforderungen
  • Beteiligen an einem Gespräch

Die Einschätzung erfolgt auf Grundlage der Beurteilung der kognitiven Funktionen und Aktivitäten. Es wird differenziert zwischen:

0 = Fähigkeit vorhanden

1 = Fähigkeit größtenteils vorhanden

2 = Fähigkeit in geringem Maße vorhanden

3 = Fähigkeit nicht vorhanden

 

Hier wird lediglich die geistige Funktion beurteilt. Für die Bewertung ist unerheblich, ob ein zuvor selbständiger Erwachsener eine Fähigkeit verloren oder nie ausgebildet hat.

 

3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

Hierunter fallen:

  • Motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten
  • Nächtliche Unruhe
  • Selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten
  • Beschädigung von Gegenständen
  • Physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen
  • Verbale Aggression
  • Andere pflegerelevante vokale Auffälligkeiten
  • Abwehr pflegerischer oder anderer unterstützender Maßnahmen
  • Wahnvorstellungen
  • Ängste
  • Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage
  • Sozial inadäquate Verhaltensweisen
  • Sonstige pflegerelevante inadäquate Handlungen

In diesem Modul geht es um Verhaltensweisen und psychische Problemlagen als Folge von Gesundheitsproblemen, die immer wieder auftreten und personelle Unterstützung erforderlich machen.

 

Es geht hier um Unterstützung des pflegebedürftigen Menschen:

  • Bei der Bewältigung von belastenden Emotionen (wie z. B. Panikattacken)
  • Beim Abbau psychischer Spannungen und
  • Bei der Impulssteuerung
  • Bei der Förderung positiver Emotionen durch Ansprache oder körperlicher Berührung
  • Bei der Vermeidung von Gefährdungen im Lebensalltag
  • Bei Tendenz zu selbstschädigendem Verhalten

Im Mittelpunkt dieses Moduls steht die Frage, inwieweit die Person ihr Verhalten ohne personelle Unterstützung steuern kann. Von fehlender Selbststeuerung ist auch dann auszugehen, wenn ein Verhalten zwar nach Aufforderung abgestellt wird, aber danach immer wieder aufs Neue auftritt, weil das Verbot nicht verstanden wird oder die Person sich nicht erinnern kann.

 

Abzugrenzen sind hier gezielte herausfordernde Verhaltensweisen, z. B. im Rahmen von Beziehungsproblemen, die nicht zu berücksichtigen sind.

 

Anders als in den übrigen Modulen sind die Kriterien nicht abschließend definiert, sondern beispielhaft erläutert. Manche Verhaltensweisen lassen sich nicht eindeutig nur einem Kriterium zuordnen, z. B. Beschimpfungen zu verbaler Aggression oder zu anderen pflegerelevanten vokalen Auffälligkeiten treten in Kombination auf. Ausschlaggebend ist, ob und wie oft die Verhaltensweisen eine personelle Unterstützung notwendig machen. Bei Kombination verschiedener Verhaltensweisen wird die Häufigkeit von Ereignissen mit personellem Unterstützungsbedarf nur einmal erfasst.

 

Es werden folgende Häufigkeiten erfasst:

0 = nie oder sehr

1 = selten, d. h. ein- bis dreimal innerhalb von zwei Wochen

2 = häufig, d. h. zweimal bis mehrmals wöchentlich, aber nicht täglich

3 = täglich

 

4. Selbstversorgung

Hierunter fallen:

  • Waschen des vorderen Oberkörpers
  • Körperpflege im Bereich des Kopfes (Kämmen, Zahnpflege/Prothesenreinigung, Rasieren)
  • Waschen des Intimbereichs
  • Duschen oder Baden einschließlich Waschen der Haare
  • An- und Auskleiden des Oberkörpers
  • An- und Auskleiden des Unterkörpers
  • Mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und Eingießen von Getränken
  • Essen
  • Trinken
  • Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls
  • Bewältigen der Folgen einer Harninkontinenz und Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma
  • Bewältigen der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma
  • Ernährung parenteral oder über Sonde

Zu bewerten ist, ob die untersuchte Person die jeweilige Aktivität praktisch durchführen kann. Es ist unerheblich, ob die Beeinträchtigungen der Selbständigkeit aufgrund von Schädigungen somatischer oder mentaler Funktionen bestehen oder ob Teilaspekte bereits in anderen Modulen berücksichtigt worden sind.

 

Es wird wie folgt differenziert:

0 = Selbständig

1 = Überwiegend selbständig

2 = Überwiegend unselbständig

3 = Unselbständig

 

5. Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen / Belastungen

Hierunter fallen:

  • Medikation
  • Injektionen
  • Versorgung intravenöser Zugänge
  • Absaugen und Sauerstoffgabe
  • Einreibungen
  • Kälte- und Wärmeanwendungen
  • Messung und Deutung von Körperzuständen
  • Körpernahe Hilfsmittel
  • Verbandswechsel und Wundversorgung
  • Versorgung bei Stoma
  • Regelmäßige Einmalkatheterisierung
  • Nutzung von Abführmethoden
  • Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung in Bezug auf zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung
  • Arztbesuche
  • Besuch anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen
  • Zeitlich ausgedehnter Besuch medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen in Bezug auf das Einhalten einer Diät oder anderer krankheits- und therapiebedingter Verhaltensvorschriften

In die Bewertung gehen nur die ärztlich angeordneten Maßnahmen ein, die gezielt auf eine bestehende Erkrankung ausgerichtet und für voraussichtlich mindestens 6 Monate erforderlich sind. Die ärztliche Anordnung kann sich auch auf nicht verschreibungspflichtige Medikamente oder äußerliche Anwendungen oder Übungsbehandlungen beziehen. Zu bewerten ist, ob die Person die jeweilige Aktivität praktisch durchführen kann. Ist dies nicht der Fall, wird die Häufigkeit der erforderlichen Hilfe durch andere Personen dokumentiert (Anzahl pro Tag / pro Woche / pro Monat). Es ist unerheblich, ob die personelle Unterstützung durch Pflegepersonen oder Pflege(fach-)kräfte erfolgt und auch ob sie gemäß § 37,2 SGB V verordnet und abgerechnet wird. Zu jedem Kriterium ist nur ein Eintrag möglich:

  • Entfällt oder
  • Selbständig oder
  • Häufigkeit der Hilfe mit einer vollen Zahl pro Tag, pro Woche oder pro Monat

6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Hierunter fallen:

  • Gestaltung des Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen
  • Ruhen und Schlafen
  • Sich beschäftigen
  • Vornehmen von in die Zukunft gerichteten Planungen
  • Interaktion mit Personen im direkten Kontakt
  • Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfeldes

Zu bewerten ist, ob die Person die jeweiligen Aktivitäten praktisch durchführen kann.

 

Es ist unerheblich, ob die Beeinträchtigungen der Selbständigkeit aufgrund von Schädigungen somatischer oder mentaler Funktionen bestehen oder ob Teilaspekte bereits in anderen Modulen berücksichtigt worden sind.

 

Die Einschätzung erfolgt auf Grundlage der Beurteilung der Selbständigkeit. Es wird differenziert zwischen:

0 = Selbständig

1 = Überwiegend selbständig

2 = Überwiegend unselbständig

3 = Unselbständig

 

Möchten Sie sich einmal "selber" zur Probe eingruppieren?

Dann beantworten Sie hier  die folgenden Fragen der Reihe nach und erfahren, in welchen Pflegegrad Sie gehören!

Verantwortlich und maßgeblich für die Erteilung des Pflegegrades ist aber die zuständige Pflegekasse.

Geprüfte Pflegequalität mehr lesen

 

 Siegel AVGSiegel DMSGSiegel AAP

AKTUELLES

alle News
|   03-08-2017   |   |   |   |   |   |   |   |   |
Bundesteilhabegesetz und Reform der Eingliederungshilfe im Überblick

Bundesteilhabegesetz und Reform der Eingliederungshilfe im Überblick.

Das neue Bundesteilhabegesetz, damit auch die Reform der Eingliederungshilfe, wurde Ende vergangenen … mehr lesen
|   20.07.2017   |   |   |   |   |   |   |   |   |
Neue Futura Filme

Futura sucht mit neuen Youtube-Clips Persönliche Assistenten und Assistentinnen.

Sie wachsen nicht an Bäumen und fallen nicht vom Himmel. Man kann sie nicht bei Amazon bestellen und sie … mehr lesen
|   28-06-2107   |   |   |   |   |   |   |   |   |
Infoportal zur Persönlichen Assistenz

Neues Infoportal zur Persönlichen Assistenz

Berliner Pflegenetzwerk Futura-Berlin startet neues Infoportal rund um die Persönliche Assistenz. Die … mehr lesen
|   30-05-2017   |   |   |   |   |   |   |   |   |
Futura steigt in den Boxring

Futura fördert ein neues Fitness-Angebot für Kinder und behinderte Menschen in Spandau.

  Unter dem Motto „Sport verbindet“ startet Anfang Juni ein spezielles Box-Programm für Kinder und … mehr lesen